Unter orangener Flagge

Nach neun sehr aktiven Monaten ist es Zeit für mich ein Resümee zu ziehen.
Als ich begann, mich in der Partei zu engagieren, war die Europawahl mehr oder weniger grade rum, Frau von der Leyen hat das Zensursula-Gesetz durchgeprügelt und die Bundestagswahl stand vor der Tür. Neben der allgemeinen Frustration über die lokale, Landes- und Bundespolitik war es auch der Politikstil, der mich unruhig werden ließ. Mündige Bürger wurden und werden zu Stimmvieh degradiert, Experten-, Spezialisten- und Bürgermeinungen ignoriert. Egal welche der kleinen oder großen Parteien, dieses Verhalten scheint symptomatisch für die deutsche Politik zu sein. Die großen und kleinen Volksparteien scheitern bei dem Versuch, ihr eigenes Wahlklientel zu bedienen. Wie es aussieht aus Angst vor einer scheinbar übermächtigen Boulevardpresse ich glaube aber in Wirklichkeit aus Angst vor der eigenen Courage. Das FDP-Gehabe ist auf die anderen Parteien abgefärbt. Es ist Zeit was zu tun, denke ich mir. Nur wo?

Da ist diese Partei, die sich Piratenpartei nennt. Der Name ist mir da erst einmal völlig egal, denn Namen sind Schall und Rauch. Namen geben eine Verpackung, aber sie sagen nicht, was darin ist. Ich las das Wahlprogramm nochmals Intensiv, abonnierte Mailinglisten und durchforstete das Wiki. Machte mich mit den Strukturen vertraut. Just in dem Augenblick, als ich wieder aktiv wurde, formierte sich in meinem Heimatort ein Stammtisch. Ich wurde von den Fremden freundlich in die Runde aufgenommen – so wie ich es seit dem auch bei jedem andere Stammtisch erlebt habe – und wir begannen das arbeiten. Wahlkampf. Infostände. Plakate kleistern und hängen, Material besorgen, verteilen. Innerhalb kürzester Zeit haben wir unglaublich viel auf die Beine gestellt – weil wir gemacht haben. Seit der Wahl ist es vermeintlich ruhig geworden bei den Piraten, aber das scheint nur so. Sie arbeiten hart. An der inneren Struktur, an Wahlprogrammen, an Entscheidungsfindungsmöglichkeiten. „Basisdemokratie ist das, was wir draus machen“ hat mir neulich erst ein Pirat gesagt. Ja, er hat recht. Wir feuern uns Interpretationen um die Ohren, bewerfen uns mit Konzepten und ich bin mir sicher: Wir werden was sehr brauchbares Entwickeln. In diesen Prozess des Entwickelns sind alle eingebunden, die sich dazu einbringen wollen, nicht nur, wenn es sich um innerparteiliche Prozesse, Strukturen oder Meinungsfindung handelt, sondern bei allen Dingen, die die Partei betreffen. Wahlprogramm, Parteiprogramm, Satzungsarbeit, Stammtische (Bei dir vor Ort ist keiner? Dann wird es aber Zeit, los, mach halt einen!), Infostände, Flashmobs, Aktionen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und man muss nicht erst eine Karenzzeit absitzen, um sich mit mehr als seiner Arbeitskraft einbringen zu dürfen. Ich bin in einer Partei, die nach Vorne denkt. Die digitale Revolution rollt über uns herüber, wir finden die Antworten zu den Fragen, die das neue Zeitalter mit sich bringt. Wir schützen unsere Rechte in einer Zeit, in der jeder über jeden alles wissen möchte. Wir arbeiten für ein faires Urheberrecht (Ja, wir wissen, dass da noch Handlungsbedarf auch auf unserer Seite ist) das Künstler und Konsument zusammen bringt. Wir fordern mehr Mitbestimmung er Bürger in der Politik und zeigen Wege auf, wie das gehen könnte, in dem wir es innerhalb der Partei ausprobieren. Wir verlangen freies Wissen und stellen auch unser Wissen zur Verfügung.

Unter der orangenen Flagge sammeln sich all jene, die bereit sind, für die Freiheit zu kämpfen – mit Worten und mit der Tat.

Mein Entscheidung war und ist richtig: Klarmachen zum Ändern – ich bin Pirat!